Es gibt zwei nahezu "Totschlag-Argumente", wenn es um die Qual der Wahl eines Camcorder-Modells von Panasonic geht:
O.I.S. und LEICA DICOMAR-Ojektiv
Mancher Interessent geht vor diesen Argumenten in die Knie, sofern sein Geldbeutel ihn an solchen "Luxus" garnicht erst denken läßt.
Wie ein Mythos durchzieht viele Berichte von Anwendern der Kniefall vor diesen Argumenten beim Lob der Camcorder und auch bei Kaufempfehlungen für bestimmte Modelle, die es "mit" und "ohne" gibt.
"Mit" heißt: Mit O.I.S. (optischer Bildstabilisierung) und mit LEICA DICOMAR-Objektiv.
"Ohne" heißt: Eben ohne diese und "nur" mit E.I.S. (elektronischer Bildstabilisierung) und "nur" mit Panasonic-Objektiv.
Nun könnte es sein, dass dieser Mythos unter die Räder eines fahrenden Autos geraten ist und kaum noch Überlebenschancen hat.
Was ist passiert?
Zunächst:
Am Ende dieses Beitrages befinden sich die Links zu allen Bildern, die hier als Beleg eine Rolle spielen. Die Bilder sind auch hier auf einer Webseite abrufbar.
Und nun der Reihe nach:
Ein Panasonic NV-GS180EG-S und ein Panasonic NV-GS320EG-S wurden nebeneinander auf verbundene Stative montiert, die fest mit den Wagenkörper verzurrt waren.
Das Modell Panasonic NV-GS180EG-S verfügte "nur" über ein Panasonic-Objektiv und "nur" über E.I.S., das bei diesem Modell SIS genannt wird (Panasonic spricht von "Bildstabilisator SIS [elektronisch] Super-Bildstabilisator").
Das Modell Panasonic NV-GS320EG-S verfügte über das "sagenhafte" LEICA DICOMAR-Objektiv und über O.I.S. (Panasonic spricht hier von "Bildstabilisator OIS: optischer Bildstabilisator").
Es wird gewöhnlich kein Zweifel daran geduldet, dass die Camcorder mit LEICA-Objektiv und OIS weit überlegen sind und die andere Technik auch weit hinter sich lassen.
Nach dem Erwerb auch eines Panasonic NV-GS180EG-S und nach ersten flüchtigen Aufnahmen begannen Zweifel zu nagen. "Irgendetwas" schien nicht zu stimmen.
Deshalb wurde listig eine Anordnung ausgetüftelt, die beiden Camcordern die gleiche Chance einräumte, ihr Können zu zeigen.
Das sah dann so aus:

Die Stative wurden so fest gegen den Teppichboden im Fahrzeug verzurrt, dass sie sowohl voll wie auch nur die Bewegungen des Fahrzeuges mitmachen konnten.
Die Camcorder waren gegeneinander durch eine Schiene fixiert.
Vor der Fahrt wurden die Objektivachsen so ausgerichtet, dass sie sich bei ca. 110 Metern schnitten.
Dann ging die Fahrt los. Dabei wurden mit Vorliebe jene Straßeneinbauten mitgenommen, die als unangenehme Huckel das zu schnelle Fahren vereiteln sollen.
Nach dem Einspielen des Ergebnisses von den zwei Cassetten in den Rechner zeigte sich auf Anhieb ein Desaster, als die beiden Streifen im Splitscreen-Verfahren zu einander in Beziehung gesetzt wurden.
Stellvertretend für die anderen Bilder, die man ja bequem selbst aufrufen kann, sei hier als signifikant nur eines gezeigt:
(Das volle Bild ist HIER...
Dramatisch zum Vergleich der Fenster im Mittelteil.)
Die Situation: Das Fahrzeug wurde auf einem Marktplatz gemächlich im Kreise gefahren, was sich wie ein langsamer Rechtsschwenk auswirkte. Zwischen dem, was der GS320 mit seinem LEICA-Objektiv und OIS daraus machte, und dem, was der GS180 mit "nur" Panasonic-Optik und "nur" SIS auf das miniDV-Band schrieb, liegen Welten!
Von der technischen Seite her (aus dem Manual) stellt sich das so dar:
Panasonic NV-GS180EG-S
Bildsensor:
1/6-Zoll-3CCD-Bildsensor
[Effektive Pixel]
Bewegliches Bild: 400 Kk3,
Standbild: 530 Kk3
Gesamt: 800 Kk3
Panasonic NV-GS320EG-S
Bildsensor:
1/6-Zoll-3CCD-Bildsensor
[Effektive Pixel]
Bewegtes Bild: 630 Kk3 (4:3), 540 Kk3 (16:9)/
Standbild: 710 Kk3 (4:3), 540 Kk3 (16:9)/
Gesamt: 800 Kk3
Der GS180 nutzt also von den 800.000 Pixeln nur 400.000, so dass ihm an den Rändern genug Rasen für die Bildstabilisierung bleibt.
Der GS320 nutzt von den 800.000 Pixeln nur 630.000 für "bewegte" Bilder, hält sich dabei den Rest für irgendwelche Zwecke in Reserve (16:9 kann es wohl kaum sein) oder verschwendet sie einfach.
630.000 Pixel reichen an sich für eine Fläche von mehr als 880 x700 Pixeln. Darf man da fragen, wozu die anderen 170.000 Pixel noch benötigt oder wofür sie nur vergeudet werden? Oder steht alles nur auf dem Papier, weil es ja sowieso kaum jemand beweiskräftig widerlegen kann?
Für die volle DV-AVI-Auflösung werden 720 x 576 Pixel benötigt, das sind 414.720 Pixel - mithin sogar mehr als der GS180 angeblich nur effektiv nutzen kann. Trotzdem erscheinen seine Bilder - gerade die "bewegten"! - als schärfer und detailreicher.
Da werde einer schlau draus. Die optische Bildstabilisierung sorgt angeblich dafür, dass sich das von der Optik gelieferte Bild möglichst permanent auf der gleichen Achse in einem möglichst gleichen Feld des CCD-Chips niederläßt. Und zwar mit einem Ausschnitt von 720 x 576 Pixeln aus der Gesamtheit des eingefangenen Bildes, wenn es um das Format 4:3 geht. Mithin in einem Seitenverhältnis von 1,25 zu 1, was eigentlich dem Format 5:4 entspricht.
Sei es wie es sei.
Was zählt ist die Praxis, ist das sichtbare Ergebnis.
Da ist nämlich auch noch "die Sache mit den Bäumen" in diesem Bild. Nehmen wir daraus einen Ausschnitt:
(Falls die Bildqualität nicht ganz behagt:
Es handelt sich um JPG aus MPEG2.)
Wenn das Verschwommene auf der rechten Seite der Vorteil von O.I.S. und LEICA-Objektiv sein soll, macht es den Mehrpreis dafür stark erklärungsbedürftig.
Abgesehen von der Bewegungsunschärfe, sei es horizontal quer oder auch in Fahrtrichtung, die sich beim GS180 kaum bemerkbar machte, aber beim GS320 die Bilder soßig verschwommen erscheinen ließ, kann man von zwei unterschiedlichen Systemen nicht erwarten, dass sie gleiche Charakteristika aufweisen.
Auffälig wurde, das bei uneinheitlich hochfrequenten Stößen von der Fahrbahn (stuckeriges Pflaster) die elektronische Stabilisierung des GS180 Probleme bekam. Das Bid begann zu zittern.
Dagegen packte der GS180 einmaliges starkes Durchschwingen (etwa bei diesen komischen Fahrbahnrampen-Einbauten) mühelos und fast bis zur Unbemerkbarkeit weg. Da neigte der GS320 zu einem deutliche Auf- und Abschaukeln des Bildes.
Das Nachziehen bei Schwenks hatten beide Camcorder nicht gut im Griff.
Weil es bei dem ursprünglich nur geplanten Stabilisierungstest eigentlich nur um einen aussagekräftigen Vergleich zum diesem Thema ging, genügt zum Beleg für die Leistung der beiden Modelle ein etwas gering auflösendes Video, in dem durch Splitscreen die Reaktionen der beiden Geräte zu jeweils gleicher Zeit deutlich werden.
Hier also das komplette Video zum DRAUFKLICKEN.
Das Erschütternde an dem Testergebnis sind mithin die "Nebenfolgen" als Erkenntnis, dass der Mythos von dem hochgerühmten O.I.S. und dem geradezu vergötterten LEICA DICOMAR-Objektiv anscheinend unter die Räder geraten ist.
Doch gerade weil das so ist, wird es doppelt und dreifach noch einmal überprüft.
Zum Abschluß noch ein kleines Ratespiel, diesmal mit Bildern, die vom miniDV-Band beim Abspielen im Camcorder mit der Fototaste auf eine SD-Karte übertragen wurden.
Hier die Nummer 1:
Mittleres TELE:
Welches Standbild stammt aus welchem Modell?
Jetzt zur Nummer 2:
Maximal AUFGEZOGEN:
Welches Standbild stammt aus welchem Modell?
LEICA (bevorzugen) oder nonLEICA!?
Das ist hier die Frage.
Noch nicht klar?
Dann hier die Nummer 3:
Aus den Fahraufnahmen:
Welches Standbild stammt aus welchem Modell?
Jetzt müßte der "Groschen" aber fallen...
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Schlimmer kommt's nimmer?
Manchmal aber schon. Denn es stellte ich heraus, dass grundsätzlich die Schärfe des GS320 bei Schwenks arg zu wünschen übrig läßt.
Der GS180 dagegen zeichnet auch bei relativ schnellen Schwenks scharfe Bilder auf.
Man sehe sich das an:
Das heißt in schlichten Worten: Der GS320 (geprüft wurde aber auch mit anderen Modellen, die sich einer LEICA-Optik und der optischen Bildstabilisierung rühmen!)... - der GS320 also bringt bei Schwenks nur dann leidlich scharfe Bilder zuwege, wenn eine manuelle Einstellung vorgenommen wird.
Die LEICA-Optik kann allerdings außen vor bleiben. Denn sie bringt nur Bilder von draußen nach drinnen. Das tut die Panasonic-Optik auch, und wie man schnell feststellen kann, tut sie das ganz gut.
Was bei Schwenks anscheinend die Unschärfe ins Bild bringt, kann nur die Ausgleichsoptik sein, der ein wenig schwindelig wird, weil sie bei Schwenks andauernd von den Sensoren belästigt wird, die eine Lageänderung im Raum melden.
Was soll den sonst die Ursache sein?
Der GS180 besitzt keine Ausgleichsoptik, die den Lichtstrahl durch das Objektiv steuert, sondern leitet die Lichtstrahlen sturköpfig nur durch das Objektiv von draußen nach drinnen zu den Prismen. Möglicherweise kostet das so wenig an Lichtintensität, dass der GS180 vielleicht auch mit einer wesentlich geringeren Verschlußzeit arbeiten kann.
Und siehe da:
Eine Überprüfung der Bänder legte bloß, daß der GS320 ausschließlich mit 1/50 Sekunde arbeitete (auch im "Sport"-Modus, da aber schärfere Bilder hergab!), wogegen der GS180 mit 1/250 Sekunde belichtete und ganz kurz nur einmal auf 1/180 Sekunde verlängerte.
Warum das so ist, bedarf keiner langen Untersuchung. Was zählt ist das, "was hinten rauskommt", und das ist beim GS180 eindeutig besser.
Sollte nun aber jemand daher kommen und behaupten, das Ganze habe auch mit O.I.S. nichts zu tun, mag er sogar Recht haben. Denn bei einem weiteren Versuch mit einigen Schwenks in hellem Kunstlicht wurden wieder alle Aufnahmen unscharf, obgleich O.I.S. abgeschaltet worden war. Der GS320 arbeitete einfach mit einer zu langen Belichtung: Außer 1/50 Sekunde schien ihm nichts einzufallen. Er schloß lieber die Blende und pendelte mit dem Gain.
Nächste Nummer also:
GS320: Helles Kunstlicht, O.I.S. auf EIN, Einstellung auf "manuell", Shutter 1/250 Sekunde, Abschwenken und nachsehen.
Die Bilder wurden nun scharf, nicht so ganz scharf wie erhofft oder vom GS180... - aber immerhin.
Dann die gleiche Prozedur mit dem GS180 auf "Automatik"...
Nicht zu leugnen: Die Bilder wurden scharf.
KONSEQUENZ (nach langem Weg und einigen Umwegen über irriges Terrain):
Der GS320 ist im Automatik-Betrieb nur sehr eingeschränkt brauchbar.
Schwenks sollte man sich verkneifen oder aber auf "manuell" umschalten und eine ausreichend kurze Verschlußzeit vorgeben.
Wie bequem und sorglos man doch filmen kann!
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VW-BUS - Fenster darüber - 1
VW-BUS - Fenster darüber - 2
Einbiegen nach links zum Marktplatz
Unterschied in Häuserzeile / Bäumen
Unschärfen bei der Häuserfront
Mauerwerk hinter Fahrzeug - 1
Mauerwerk hinter Fahrzeug - 2
Ladenfront / Verblendung / Schild - Fahrzeug - 1
Ladenfront / Verblendung / Schild - Fahrzeug - 2
Ladenfront / Verblendung / Schild - Fahrzeug - Im Vergleich
Pflasterung verwaschen
Rechte Seite: Deutliche Unschärfen gegenüber linker Seite / 1
Rechte Seite: Deutliche Unschärfen gegenüber linker Seite / 2
Rechte Seite: Deutliche Unschärfen gegenüber linker Seite / 3
Man achte im Vergleich auf das Moped und dessen Umgebung
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Das ist eine gesonderte Bemerkung wert: I: Jemand, der wohl in der VIP-Lounge von Panasonic verkehren darf und meine Telefonnummer kennen durfte, rief mich an und preßte viel Schaum durch die Leitung: 1) In diesem Blog-Eintrag (Panasonic
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